Symbole der Angst (4) – Der Galgen

By |2020-07-01T09:09:49+00:00Juni 20th, 2020|AnGSt|

Die ältesten Machtsymbole entsprangen dem Totenkult und damit der Angst vor dem Sterben. Sie versinnbildlichen seit jeher die Herrschaft über das Leben und die Gesetze des Überlebens. In frühster Zeit standen diese Symbole für den Erhalt der göttlichen Ordnung und die Umsetzung des ebenso göttlichen Willens im Diesseits. Doch schon bald wandelten sie sich zu Zeichen der weltlichen Herrscher, die dem Volk den eigenen Willen aufzuzwingen versuchten. Zu ihnen zählt auch der Galgen, der viele Jahrhunderte lang die Angst vor der Todesstrafe verbreitete. […]

Montesquieu und das Prinzip “Furcht” im despotischen Regime

By |2020-05-20T07:45:43+00:00Mai 19th, 2020|AnGSt|

Charles-Louis de Montesquieu gilt nicht nur als wichtigster geistiger Vater der amerikanischen Verfassung, sondern auch bedeutendster Wegbereiter der Französischen Revolution. Sein Kampf gegen die Willkürherrschaft des Absolutismus‘ mündete in der Lehre von der Verteilung der politischen Macht. Sie fand in einer Unzahl moderner Verfassungen ihren Niederschlag. In allen seinen Werken stand die Despotie im Mittelpunkt, die ihre Kraft aus der Angstverbreitung bezieht und heute als Vorläuferin der Diktaturen betrachtet wird. Er war davon überzeugt, dass vor allem Demokratien in Gefahr sind, in eine solche abzudriften. […]

Epidemien und der ewige Kreislauf der Angst

By |2020-05-16T12:27:34+00:00März 28th, 2020|AnGSt|

Die Angst des Frühmenschen vor dem Hungertod hat eine neue Lebensweise hervorgebracht: die Sesshaftigkeit. Das Aufkommen von grösseren Siedlungen und Städten wiederum hat einstigen Tierkrankheiten den nötigen Nährboden zur Ausbreitung geschaffen. Sie stehen am Anfang der grossen Epidemien, die seit ungefähr 5‘000 Jahren die Menschen in Todesangst versetzen – aber auch ihre Immunsysteme stärken, um das Überleben der menschlichen Spezies weiterhin zu gewährleisten. […]

Basel in Angst – Chemiekatastrophe “Schweizerhalle”

By |2020-04-14T06:41:54+00:00November 1st, 2019|AnGSt|

Am 1. November 1986 brach im Industriegebiet „Schweizerhalle“ eines der grössten Feuer der Schweiz aus. Während das Ereignis von Seiten des Pharma- und Chemiekonzerns, der Politik und Behörden verharmlost wurde, kämpfte die Bevölkerung mit Todesängsten und gesundheitlichen Problemen. Am Beispiel von Augenzeugenberichten werden die damaligen Geschehnisse nachgezeichnet. […]

Terrorangst in Deutschland

By |2019-09-29T16:17:24+00:00September 1st, 2019|AnGSt|

Die „Rote Armee Fraktion“ (RAF) war eine linksradikale Gruppe, die zwischen 1970 und 1998 von West-Berlin aus mit Mordanschlägen, Sprengstoffattentaten, Entführungen und Geiselnahmen die damalige Bundesrepublik Deutschland (BRD) in Angst versetzte. Ihr Ziel war es, den „staatlichen Herrschaftsapparat“ zu zerstören und die Ungerechtigkeit durch den Kapitalismus zu beseitigen. Ihre Aktionen haben letztlich aber nicht nur die Furcht vor dem Terror und vor weiblichen Terroristen geschürt. Sie haben auch zur staatlichen Einschränkung der Menschen-, Grund-, und Bürgerrechte geführt. […]

Thukydides und die Furcht der Spartaner

By |2020-02-14T10:18:55+00:00Juni 1st, 2019|AnGSt|

Die Angst ist die wichtigste Triebkraft des Menschen und entscheidet über sein Denken und Verhalten. Davon überzeugt war auch der antike Historiker Thukydides. Sein grösstes Werk dokumentiert den „Peloponnesischen Krieg“ (431-404 v. Chr.), den grössten Krieg in der Geschichte des klassischen Griechenlands – und für manche Wissenschaftler der erste „Weltkrieg“ der Menschheitsgeschichte überhaupt. Als seine Ursache nennt Thukydides die Furcht der Spartaner vor der Athener Konkurrenz. Doch ist das die ganze Angst-Geschichte? […]

Erich Fromm und die Angst vor sozialer Isolierung

By |2020-01-13T13:30:32+00:00Mai 1st, 2019|AnGSt|

Die Angst ist ein Überlebensmechanismus. Ihre Aufgabe ist es, eine gesunde Wechselbeziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt zu gewährleisten. Wird diese Beziehung gestört und sieht sich der Mensch der ständigen Bedrohung ausgesetzt, erkrankt er irgendwann an ihren biologischen Mechanismen. In den Industrieländern ist die Verbreitung von Ängsten Machtfaktor und Geschäft zugleich. Die „Massen“, ihre „Meinungen“ und ihr „Verhalten“ sollen schliesslich gezielt manipuliert und gesteuert werden. Nach Erich Fromm appellieren alle diese Ängste an die Hauptangst des modernen Menschen: die Angst vor sozialer Ausgrenzung. […]

Hexenangst (5/5) – Saturns Kinder

By |2020-01-13T07:51:29+00:00Januar 20th, 2019|AnGSt|

Der Planet Saturn ging als Patron der Hexen aber auch der Melancholiker und Faulpelze in die Geschichte ein. Seine Deutung beeinflusste nicht nur das Hexenbild, sondern definierte auch den “bösen Menschen”. Die „Kinder des Saturn“, wie sie bereits die Zeitgenossen nannten, waren sozial Auffällige oder gesellschaftlich Geächtete, die dem Glauben nach vom „Melancholieteufel“ beherrscht werden und daher zur Kriminalität, Depression, Wahnsinn und Selbstmord neigen. Die modernen Ansichten über Straftäter, Arme und psychisch Kranke bauen auch heute noch auf der Saturn-Vorstellung auf. […]

Hexenangst (3/5) – Boshafte Kreaturen

By |2020-01-13T07:53:57+00:00Dezember 22nd, 2018|AnGSt|

Die Hexenvorstellung ist ein archetypisches Feindbild, das einer uralten Menschenangst entsprang. Es kann problemlos auf jeden Gegner projiziert werden und lässt immer genügend Spielraum für weitere Interpretationen zu. Kein Wunder, konnte der Vorwurf der Hexerei daher auch jeden treffen, jeden Mann, jede Frau und jedes Kind. Tatsächlich definierten sich die historischen Hexen nicht durch ihr Geschlecht oder Alter, sondern vor allem durch ihren gesellschaftlichen Stand. Vor Gericht wurde ihnen fast immer zweierlei vorgeworfen: ein boshaftes Wesen und die Fähigkeit Schadenzauberei zu betreiben. […]

Hexenangst (2/5) – Gefallene Engel

By |2019-09-09T06:54:02+00:00Dezember 10th, 2018|AnGSt|

Die Ur-Hexe ist ein magisches Wesen, das sich durch die Luft bewegt und seine Gestalt verändern kann. Symbolisch steht sie für die Urängste des Menschen, die Angst vor den Naturgewalten, dem Tod und dem Unheil, die plötzlich, „wie aus heiterem Himmel“ über den Menschen hereinbrechen können. Die Hexe der Christen dagegen weist durchwegs menschliche Züge auf. Sie personifiziert den „Feind“ innerhalb der Christgemeinde, der seine Mitmenschen schädigt und ihnen Böses will. Neu versinnbildlicht sie jedoch auch die Angst vor dem Ungehorsam, der Bosheit und der Sünde. […]

Wie die Angst den Teufel erfand

By |2020-02-14T17:01:37+00:00September 28th, 2018|AnGSt|

Die Geburtsstätte des Teufelglaubens ist der Nahe Osten. Hier machte sich seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. eine düstere, pessimistische Weltsicht breit, die in der Philosophie und den Religionswissenschaften als „Weltangst“ bezeichnet wird. Popularisiert wurde sie durch die Gnostiker und frühen Christen. Sie haben mit ihren Dämonen- und Geistervorstellungen aber nicht nur das Bild vom Teufel geprägt, sondern auch die Menschheit in „Gute“ und „Böse“ unterteilt. […]

Die Maori und die Angst

By |2019-10-20T05:36:45+00:00September 14th, 2018|AnGSt|

Die Angst hat ein Janusgesicht. Einerseits ist sie das „freudige“ Aufgeregtsein und das „drängende Verlangen“ nach etwas oder jemandem. Andererseits ist sie das „beunruhigende“ Aufgeregtsein, das den stets drohenden Tod erahnen lässt. Die frühen Naturvölker kannten das Doppelgesicht der Angst noch. Auch die Maori, deren polynesische Vorfahren vor ungefähr 6‘000 Jahren von Südostasien aus aufbrachen und den pazifischen Raum eroberten, besassen noch das natürlich-ganzheitliche Angstverständnis. Es offenbart sich in ihrer religiösen Vorstellungswelt, ihren kulturellen Ritualen und in ihrer Sprache. […]

1. Weltkrieg (5/5) – Angstneurosen und Invalidität

By |2019-09-08T07:58:02+00:00August 17th, 2018|AnGSt|

Die Invaliden und Kriegsneurotiker brachten den Schrecken des Weltkriegs in ihre Heimat. Das Bild des Gegners wurde zusehends durch ein neues Feindbild ersetzt, das kaum mehr menschliche Züge aufwies. Für die Öffentlichkeit und Behörden stellten die Kriegsgeschädigten eine der grössten Herausforderungen dar, zerstörten sie doch das heroische Selbstbild der eigenen Nation. In der Auseinandersetzung mit ihnen spiegelt sich die kollektive Angst vor der Sinnlosigkeit des geführten Krieges wider, die alle europäischen Gesellschaften von Beginn des Ersten und bis Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beherrscht hat. […]

1. Weltkrieg (4/5) – Waffenschreck und totale Vernichtung

By |2020-01-13T07:57:12+00:00August 3rd, 2018|AnGSt|

Ausgerechnet diejenigen Nationen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als die zivilisiertesten bezeichneten, haben den Ersten Weltkrieg geführt. Sie alle stockten jahrzehntelang ihre Arsenale auf, um für diesen „Grossen Krieg“ gerüstet zu sein. Und sie alle hatten nur das eine Ziel: zur ultimativen Grossmacht Europas aufzusteigen und die Industrialisierung des eigenen Landes voranzutreiben. Doch aus dem „kurzen“ Entscheidungskrieg, den alle herbeigesehnt hatten, wurde letztlich der „totale“ Krieg, der ganze Generationen vernichtete. Während die Infanteristen an der Front wie „am Fliessband“ starben, beschäftigten sich die Führungseliten nur mit zweierlei Hauptfragen: Wer kann mehr „Menschenmaterial“ opfern? Wer hat die besseren Waffen, [...]

1. Weltkrieg (2/5) – Kriegseuphorie und Freudenangst im Deutschen Reich

By |2019-09-08T05:30:08+00:00Juli 6th, 2018|AnGSt|

Die politischen Geschehnisse im Frühsommer 1914 und die Reaktionen der deutschen Bevölkerung gingen unter den Begriffen „Julikrise“ und „Augusterlebnis“ in die Geschichte ein. Aus ihnen hervorgegangen ist der Mythos von der deutschen „Kriegseuphorie“. Ihm zufolge sollen die Deutschen den Kriegszustand ihres Landes frenetisch gefeiert haben und den Lemmingen gleich angstlos in den Tod gezogen sein. Für die friedensverwöhnten Nachfolgegenerationen ein kaum nachvollziehbares Verhalten, das bis heute von der Wissenschaft erforscht wird. […]