About Nicole J. Bettlé

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So far Nicole J. Bettlé has created 45 blog entries.

Norbert Elias und der Zwang zur Angstverinnerlichung

By |2021-06-08T04:41:01+00:00Juni 6th, 2021|AnGSt|

Für den Soziologen Norbert Elias haben die modernen Angstkrankheiten zweierlei Ursachen: sich ständig wechselnde Zwänge und ein negatives Selbstbild. Die Hauptfunktion der Angst ist es schliesslich das Überleben zu gewährleisten. Ist der Mensch jedoch ständig in Gefahr und kann nicht reagieren, erkrankt er an ihren biologischen Mechanismen. Dem Zusammenbruch voraus geht die Verinnerlichung der Angst, die den Organismus in einen Dauerzustand der Alarmbereitschaft versetzt. Elias’ Überzeugung nach wird der Zwang zur Angstverinnerlichung durch die Oberschichten ausgelöst, die ihre eigene Angst vor Macht- und Prestigeverlust zu bewältigen versuchen. […]

Symbole der Angst (5) – Der Hase

By |2021-06-06T18:18:50+00:00März 29th, 2021|AnGSt|

Der Hase versinnbildlicht nicht nur Licht und Leben, sondern auch Finsternis und Tod. In seiner Rolle als Fluchttier wiederum verkörpert er seit jeher die „Angst vor der Angst“. Schliesslich jagen die Menschen dem Hasenbraten schon seit Jahrtausenden erfolglos hinterher. Gerächt haben sie sich, indem sie den Hasen in Verruf gebracht, ihn zum Sinnbild der Feigheit, Ehrlosigkeit und Dummheit gemacht haben – wie sich an etlichen Schimpfnamen ablesen lässt. Diejenigen, denen das Jagdglück aber hold war, haben ihm seine Pfoten geraubt, um auch weiterhin glücklich und angstlos durchs Leben gehen zu können. […]

Jack the Ripper und die unbewältigte Angst von 1888

By |2021-06-06T18:22:46+00:00Februar 6th, 2021|AnGSt|

Die Angst hat nicht nur ein Janusgesicht, sie ist auch ihr eigenes Antidot. Besonders gut aufzeigen lässt sich dies am Beispiel von Jack the Ripper, dem bekanntesten Serienmörder Grossbritanniens. Sein Fall wurde zwar 1892 ungelöst zu den Akten gelegt. Doch bis heute wird nach der wahren Identität des Mörders gesucht und das unsägliche Grauen nachgestellt, das er im Herbst 1888 in London verbreitet hat. Seine grausamen Taten haben die Zeitgenossen und späteren Generationen schliesslich gleichermassen traumatisiert wie auch in ihren Bann gezogen. […]

Eifersucht – Die Angst, die Ängste erschafft

By |2021-06-06T18:25:46+00:00Januar 8th, 2021|AnGSt|

Die Eifersucht ist nicht nur angstbesetzt, sie hat auch einen schlechten Ruf. Kein Wunder, ist ihre Aufmerksamkeit von Natur aus auf den „Besitz“ eines anderen gerichtet; alle ihre Gedanken und Handlungen darauf programmiert, ihn an sich zu bringen – oder zu zerstören. Zwar wird die Eifersucht heutzutage vor allem mit den Themen „Liebe“ und „Beziehung“ in Verbindung gebracht. Tatsächlich aber interessiert sie sich seit jeher nur für eines: das eigene Überleben. […]

Raunächte – Wenn der Frauenschreck umgeht

By |2021-06-06T18:28:20+00:00Dezember 2nd, 2020|AnGSt|

Im Winter werden nicht nur die Nächte länger, auch Dämonen, Geister, Hexen und sonstige Unholde treiben vor allem zu dieser Jahreszeit ihr Unwesen. Die grösste Bedrohung stellen sie dem alten Volksglauben nach während der „Raunächte“ dar. In den Sagen und Mythen der Volkskultur tummeln sich zwar viele dunkle Gestalten, die während der kalten Winterzeit Unheil anrichten, doch die längsten Nächte des Jahres werden besonders von zwei Schreckgestalten dominiert: Holda und Perchta. […]

Die Erfindung des „furchtlosen Menschen“ (2/2)

By |2021-06-06T18:32:38+00:00November 7th, 2020|AnGSt|

Die Schule der Stoa prägte nicht nur das moderne Bild des „Weisen“. Sie machte die Vorstellung vom „furchtlosen Menschen“ auch gesellschaftsfähig, indem sie seine Anschauung auf alle Menschen ausweitete. Gleichzeitig verstärkten die Stoiker ihre Bemühungen, den Menschen von seiner Angst zu kurieren. Mit Epikur kam schliesslich die grosse Wende. Er richtete den Fokus erstmals wieder auf die „Sinne“. Gleichzeitig baute er jedoch sein Menschenbild auf materialistischen Grundüberzeugungen auf. Von nun an – und bis heute – wird das Bild des idealen und damit furchtlosen Menschen durch den Atomismus bestimmt. […]

Die Erfindung des „furchtlosen Menschen“ (1/2)

By |2021-06-06T18:37:31+00:00Oktober 23rd, 2020|AnGSt|

Der griechische Philosoph Xenophanes vertrat wahrscheinlich als erster die Überzeugung, dass nicht die Götter die Menschen erschaffen haben, sondern vielmehr die Menschen die Götter. Die Kritik am Götterglauben, die ein verändertes Weltbild hervorbrachte, mündete schliesslich in der Ausbildung eines neuen Menschenideals: dem von seiner Götter- und Todesangst befreiten „Weisen“. Er stellt noch heute das philosophische Vorbild eines „vollkommenen Menschen“ dar. […]

Symbole der Angst (4) – Der Galgen

By |2021-06-06T18:43:58+00:00Juni 20th, 2020|AnGSt|

Die ältesten Machtsymbole entsprangen dem Totenkult und damit der Angst vor dem Sterben. Sie versinnbildlichen seit jeher die Herrschaft über das Leben und die Gesetze des Überlebens. In frühster Zeit standen diese Symbole für den Erhalt der göttlichen Ordnung und die Umsetzung des ebenso göttlichen Willens im Diesseits. Doch schon bald wandelten sie sich zu Zeichen der weltlichen Herrscher, die dem Volk den eigenen Willen aufzuzwingen versuchten. Zu ihnen zählt auch der Galgen, der viele Jahrhunderte lang die Angst vor der Todesstrafe verbreitete. […]

Montesquieu und das Prinzip “Furcht” im despotischen Regime

By |2021-06-06T18:48:31+00:00Mai 19th, 2020|AnGSt|

Charles-Louis de Montesquieu gilt nicht nur als wichtigster geistiger Vater der amerikanischen Verfassung, sondern auch bedeutendster Wegbereiter der Französischen Revolution. Sein Kampf gegen die Willkürherrschaft des Absolutismus‘ mündete in der Lehre von der Verteilung der politischen Macht. Sie fand in einer Unzahl moderner Verfassungen ihren Niederschlag. In allen seinen Werken stand die Despotie im Mittelpunkt, die ihre Kraft aus der Angstverbreitung bezieht und heute als Vorläuferin der Diktaturen betrachtet wird. Er war davon überzeugt, dass vor allem Demokratien in Gefahr sind, in eine solche abzudriften. […]

Wie anhaltende Angst das Immunsystem zerstört

By |2021-06-06T18:50:40+00:00April 1st, 2020|AnGSt|

Krankheitserregende Mikroorganismen interessieren sich weder für das Geschlecht, das Alter noch den Status einer Person. Nur Menschen unterwerfen Krankheiten und Kranke seit jeher einem Werturteil und dichten Krankheitserregern eine spezielle „Vorliebe“ an. So auch im Fall der „Spanischen Grippe“, die zwischen 1918 und 1920 Angst und Schrecken verbreitete. In den Medien wird immer wieder betont, dass ihr Erreger vor allem Männern zwischen 20 und 40 Jahren zugesetzt hat. Die Erklärung für diesen Umstand ist jedoch relativ simpel: ihre Immunsysteme waren aufgrund der anhaltenden Angst ganz besonders geschwächt. Schliesslich hatten sie gerade erst im Ersten Weltkrieg (1914-1918) um ihr Überleben gekämpft. [...]

Epidemien und der ewige Kreislauf der Angst

By |2021-06-06T18:41:07+00:00März 28th, 2020|AnGSt|

Die Angst des Frühmenschen vor dem Hungertod hat eine neue Lebensweise hervorgebracht: die Sesshaftigkeit. Das Aufkommen von grösseren Siedlungen und Städten wiederum hat einstigen Tierkrankheiten den nötigen Nährboden zur Ausbreitung geschaffen. Sie stehen am Anfang der grossen Epidemien, die seit ungefähr 5‘000 Jahren die Menschen in Todesangst versetzen – aber auch ihre Immunsysteme stärken, um das Überleben der menschlichen Spezies weiterhin zu gewährleisten. […]

Emil Coué und die Angstbewältigung durch Autosuggestion

By |2021-06-06T18:15:40+00:00Februar 14th, 2020|AnGSt|

Emil Coué setzte das Unbewusste mit der Angst gleich, und beschrieb Jahrzehnte vor den modernen Neurowissenschaften die Funktionen, Eigenschaften und Mechanismen der biologischen Angst. Im Couéismus stellen Angstvorstellungen die entscheidende Ursache aller psychischen und der meisten physiologischen Krankheiten dar. Selbst „Angsterkrankungen“ sind ihm nach Produkte der eigenen Einbildungskraft. Mit seiner Methode der „Selbstbemeisterung“ hat Coué zu seiner Zeit Tausende von ihren Ängsten, Gebrechen und sonstigen Krankheiten kuriert. […]

Basel in Angst – Chemiekatastrophe “Schweizerhalle”

By |2021-06-06T18:09:31+00:00November 1st, 2019|AnGSt|

Am 1. November 1986 brach im Industriegebiet „Schweizerhalle“ eines der grössten Feuer der Schweiz aus. Während das Ereignis von Seiten des Pharma- und Chemiekonzerns, der Politik und Behörden verharmlost wurde, kämpfte die Bevölkerung mit Todesängsten und gesundheitlichen Problemen. Am Beispiel von Augenzeugenberichten werden die damaligen Geschehnisse nachgezeichnet. […]

Angstphysik – Warum Angst tödlich sein kann

By |2021-06-06T18:05:16+00:00Oktober 1st, 2019|AnGSt|

Die Angst ist in ihrer ursprünglichen Form nichts anderes als pure Energie. Das biologische Angsterleben nimmt schliesslich nicht nur mit einem Reizimpuls seinen Anfang. Vielmehr setzt dieser Impuls auch spezielle Körpermechanismen in Gang, welche die Antriebsenergie hochfahren und den Menschen aktionsbereit machen. Die Angstenergie ist zwar ebenfalls den Naturgesetzen der Physik unterworfen, doch sie stellt auch eine physikalische Grösse für sich dar. […]

Terrorangst in Deutschland

By |2021-06-06T17:59:59+00:00September 1st, 2019|AnGSt|

Die „Rote-Armee-Fraktion“ (RAF) war eine linksradikale Gruppe, die zwischen 1970 und 1998 von West-Berlin aus mit Mordanschlägen, Sprengstoffattentaten, Entführungen und Geiselnahmen die damalige Bundesrepublik Deutschland (BRD) in Angst versetzte. Ihr Ziel war es, den „staatlichen Herrschaftsapparat“ zu zerstören und die Ungerechtigkeit durch den Kapitalismus zu beseitigen. Ihre Aktionen haben letztlich aber nicht nur die Furcht vor dem Terror und vor weiblichen Terroristen geschürt. Sie haben auch zur staatlichen Einschränkung der Menschen-, Grund-, und Bürgerrechte geführt. […]