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Symbole der Angst (3) – Die Katze

Seit jeher wird die Katze als ein unheimliches und diabolisches Tier beschrieben, das übernatürliche Kräfte besitzt. Sie kann dem Glauben nach nicht nur Unheil bringen und in die Zukunft sehen, sie hat auch Umgang mit Teufeln und Hexen. Schon immer hat sich der Mensch Rituale und Geschichten ausgedacht, um seine (Ehr-)Furcht vor den Katzen bewältigen zu können und ihre Magie für sich nutzbar zu machen.

 

Ein zauberhaftes Mythenwesen
Bastet

Abb. 1) Ägyptische Katzengöttin “Bastet” (7. Jahrhundert v. Chr.).

Der Katze wohnt nicht nur etwas Dämonisches und Magisches inne, auch der Ursprung ihres Namens ist geheimnisumwittert. Bis heute ist unklar, von welcher Sprache sich der Katzenname herleitet. Viele Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass der Begriff „Katze“ auf ein uraltes Wanderwort zurückgeht und sich aus einem nordgermanischen Lockruf entwickelt hat.

Schon die Ägypter vor über viertausend Jahren haben Katzen als Haustiere gehalten. Doch wie die Bewohner des kalten Nordens begegneten auch sie der Katze aufgrund ihrer Unbezähmbarkeit, Undankbarkeit und ihrer unberechenbaren Wildheit mit Angst und Misstrauen. Seit jeher beschreibt der Mensch die Katze als boshaft, treulos, hinterhältig, lüstern und vor allem als grausam. Eine Person, die unehrlich und durchtrieben ist, wird daher auch bis heute als „katzenfreundlich“ bezeichnet.

Im Alten Ägypten lässt sich nicht nur die Katzengöttin Bastet finden, sondern auch ein regelrechter Kult um das „Katzenvieh“. Ihr zu Ehren wurden spezielle Katzenmumien präpariert und Katzenfriedhöfe angelegt. Im Mythos und in der Kunst verdrängte sie schon früh die sehr viel älteren Löwengötter. Ungefähr im 5. Jahrhundert v. Chr. tauchte sie auf dem griechischen Festland als Haustier und Kultwesen auf. Von hier aus nahm der Katzenglaube Einfluss auf die Vorstellungen magischer Mond- und Frauengöttinnen wie Artemis und Diana.

 

 

Dämonenwesen und Glückskatze
Katze und Mond

Abb. 2) Die mondsüchtige Katze.

In den altnordischen Sagen wird die Katze als ein Dämonenwesen beschrieben, das Schrecken verbreitet. Kaum verwunderlich, findet sie normalerweise in den volkstümlichen Spuk- und Zaubergeschichten aber auch in der späteren Schauerliteratur Erwähnung. Alten Mähren zufolge nehmen die Seelen der Toten Katzengestalt an, wenn eine Katze über ihr Grab läuft. Zahllose Volksweisheiten raten dazu, sich besonders vor fremden und alten Katzen zu hüten, da es sich bei ihnen sehr häufig um verwandelte Dämonen, Hexen, Zauberer und Teufel handle. Vor allem schwarze und graue Katzen gelten seit jeher als zaubermächtig.

Aufgrund ihrer magischen Kräfte symbolisiert die Katze (vor allem eine dreifarbige) aber auch seit jeher das Glück. Frühere Zeitgenossen betrachteten sie als eine Art dienstwilligen und wundertätigen Geist oder Kobold, der über ein Haus wacht. In der Rolle des Glückbringers zeigt sich die Katze also nicht mehr als ein Angstauslöser, sondern vielmehr als ein Mittel der Angst- und Gefahrenabwehr, dient sie ihrem „Besitzer“ doch als ein Schutzgeist – jedenfalls solange, wie er sie gut behandelt.

In manchen Gegenden werden noch heute Gewitterwolken als „Murrkater“ oder „Bullkater“ bezeichnet. Bei strömendem Regen wiederum sagt man bekanntlich, „es hagelt Katzen“. Die Redewendung kommt nicht von ungefähr. Einst ging der Mensch davon aus, dass Wetterdämonen den Regen und Wind bewirken. In ein solches Dämonenwesen konnte sich auch die Katze verwandeln, wenn man sie quälte. Eine misshandelte Katze konnte dem Glauben nach sogar Wirbelstürme verusachen! Gleichzeitig wird sie im Volksglauben als eine ausgesprochen wichtige Wetterprophetin dargestellt, deren Verhalten Hinweise auf das zukünftige Wetter gibt. Frisst eine Katze beispielsweise Gras oder verdreht sie ihren Hals, prophezeit sie dem Volksglauben nach Regen. Niest sie, soll es Schnee geben, kratzt sie sich am Schwanz einen Sturm und zeigt ihr Schweif Richtung Ofen oder Herd kommt Frost auf.

 

 

Verehrt und geopfert
Katzenmumien

Abb. 3) Katzenmumien, um 30 v. Chr.

Um die Katzen gnädig zu stimmen und der Angst vor Unglück entgegen zu wirken, hat man ihnen schon immer rituelle Opfergaben dargebracht. Zur Sitte geworden ist es beispielsweise, einer Katze das erste Stück eines gebackenen Kuchens oder ein Schälchen Milch von der frisch gemolkenen Kuh zu geben. Trotz der offensichtlichen Ehrfurcht vor Katzen ist das Verhältnis zwischen Mensch und Tier jedoch seit jeher ambivalent.

Wer eine Katze tötete oder quälte, musste nicht nur dem Glauben nach kommendes Unheil befürchten, sondern tatsächlich mit schweren Strafen rechnen. Selbst der Ort, wo sie geschlagen oder umgebracht wurde, konnte zur Unglücksstätte werden. Nicht nur im Alten Ägypten war es von Rechtswegen strengstens verboten, Katzen ausserhalb des religiösen Bereichs zu Tode zu bringen oder zu verstümmeln, auch im Kanton Zürich galt noch bis 1780 das sogenannte „Katzenrecht“, das eine gerichtliche Busse für jeden vorsah, der eine Katze verletzte.

Der sinnlose Tod einer Katze bring dem alten Glauben nach Unglück. Ein rituelles Katzenopfer durchzuführen dagegen kann einem übernatürliche Kräfte verleihen. Tötet man beispielsweise einen schwarzen Kater vor der ersten Aussaat oder am Weihnachtsabend und vergräbt ihn auf dem Feld, wehrt man dem alten Glauben nach böse Geister ab, die dem Wachstum schaden. Manche Katzen mauerte man deshalb auch in neue Gebäudeteile ein, um zukünftige Hausschäden oder ein Unglück der Bewohner abzuwehren (Bauopfer).

Ein Katzenopfer befähigt natürlich auch zur Heilung und Zauberei. Die Volksmedizin kennt etliche magische Arzneimittel, die aus Katzenanteilen hergestellt werden. So hilft beispielsweise ihr Fleisch gegen die Schwindsucht, ihr Fett gegen Brandwunden und Frostbeulen, ihr Blut gegen Fieber, die Leber gegen Gallensteine und der Darm gegen Zahnschmerzen. Gewisse Anteile von ihr galten als ganz besonders zauberkräftig. Ihre Haare, Knochen oder ihr Fett beispielsweise werden als die nötige Zutat genannt, um sich unverwundbar oder unsichtbar zu machen oder aber um einen Liebeszauber durchzuführen und Schätze aufzufinden.

 

 

Das Orakeltier und seine Warnungen
Katze mit Buckel

Abb. 4) Der Buckel kündigt laut Volksglauben einen unerwarteten Besuch an. Schwarze Katzen mit weisser Brust galten als besondere Todesbotinnen.

Im Alltag lässt die selbst erschreckte Katze seit Jahrhunderten das Angstsystem des Menschen Alarm schlagen. Wer gut zu seiner Katze ist, dem dient sie als eine Art angstabwehrendes Orakel oder Talisman auf vier Pfoten. Jede ihrer Bewegungen gibt Hinweise darauf, welche Gefahren sich in der Zukunft abzeichnen. Besonders oft prophezeit sie das Unerwartete, einen unerwarteten Besuch, einen plötzlich ausbrechenden Streit oder überraschenden Tod. Besonders gefürchtet ist sie in ihrer Rolle als Todesbotin. Miaut sie beispielsweise ganz kläglich in der Nähe eines Hauses, gibt es dort dem Glauben nach schon sehr bald einen Todesfall. Tauchen gleich mehrere fremde Katzen auf einmal auf, ist dies ebenfalls ein Zeichen dafür, dass in Kürze jemand sterben wird.

Besonders viele ihrer Verhaltensmuster deuten auf bevorstehendes Pech hin: läuft sie einem morgens zwischen die Beine, kreuzt eine Katze von links den eigenen Weg, träumt man (vor allem in der Weihnachtsnacht) von einer schwarzen Katze oder tritt man einer einfach nur auf den Schwanz, ist das Unglück vorprogrammiert. Entscheidet sich jemand zu einem besonderen Unternehmen und begegnet er gleich darauf ebenfalls einer schwarzen Katze, ist dies ein ebenso schlechtes Omen. Setzt sich ein Katzenvieh wiederum vor der Trauung vor den Altar, gilt dies als Hinweis für eine unglückliche Ehe.

Die Katze, die einen unerwarteten Besuch ankündigt, nimmt im Volksglauben eine besonders wichtige Stellung ein. Etliche ihrer Handlungen geben aber auch Auskunft darüber, was für eine Art Gast zu erwarten ist: leckt sie beispielsweise ihr ganzes Fell ab oder putzt sie ihr rechtes Ohr, kommt ein willkommener Besucher vorbei. Reinigte sie hingegen den Schwanz oder das linke Ohr, muss man mit einem unsympathischen Gast rechnen.  Eine sehr wichtige Rolle spielt die Katze aber auch als Orakel, das Streit und aggressive Handlungen in einem Haus prophezeit. Hustet eine Katze, beissen sich gleich mehrere gegenseitig oder aber balgen welche vor der Tür, ist dies ein Omen dafür, dass schon bald Reibereien und Zank befürchtet werden müssen.

 

 

Die Ketzer und der teuflische Kater
Katze Maleficarum

Abb. 5) Die Katze im Zauberglauben: Bild aus Francesco Maria Guazzo’s Werk “Compendium Maleficarum” (1608).

Schon immer hat sich der Mensch Götter, Dämonen oder Geister in einer Tiergestalt vorgestellt, und schon immer hat er Tiervergleiche zur politischen Propaganda und Abwertung genutzt. Bei der Beurteilung der Ketzer, die seit dem 11. Jahrhundert in Erscheinung traten und von der katholischen Kirche als Häretiker verdammt (und verbrannt) wurden, stand vor allem der Teufel in Katergestalt im Mittelpunkt.

Die Theologen und Dämonologen erwähnen den schwarzen Kater besonders häufig in Verbindung mit dem Ketzersabbat, einer nächtlichen Versammlung der Gottlosen, an der dem Tanz, der Trunksucht, Völlerei und Hurerei gefrönt wird. Hier personifiziert er den Teufel, dem gehuldigt wird und der mit ihnen spezielle Initiationsriten durchführt.

Eine der bekanntesten Ketzersekten war diejenige der Katharer. Der bedeutende Theologe und Mystiker Alanus von Ryssel berichtet in seinen Abhandlungen aus dem 12. Jahrhundert nicht nur vom Teufel in Gestalt eines schwarzen Katers, sondern behauptet auch, die Bezeichnung „Katharer“ würde sich vom Namen „catus“ ableiten. Obwohl die Worte in Wahrheit keine gemeinsame etymologische Wurzel besitzen, hatte Alanus‘ propagandistischer Handstreich jedoch den gewünschten Effekt. Schliesslich übernahmen doch fast alle katholischen Gelehrten Alanus‘ Behauptung, welche die Ketzer als das personifizierte Böse brandmarkte. Noch Jahrhunderte später verbreitete der Jesuit Gretser (1562-1625) die Überzeugung, dass sich die Namen „Katharer“ und „Ketzer“ von „Kater“ und „Katze“ herleiten würden.

 

 

Hexenkatze und Katzenhexe

Abb. 6) Hans Baldung (Grin): Bild von drei Hexen, die eine Hexensalbe herstellen (1514, Ausschnitt). In der Ecke rechts unten ist eine Katze abgebildet, die in einem Zauberbuch liest.

Der nordische Hexenglaube verbreitete ebenfalls die Angst vor den Katzen. Ihm zufolge erlangen die Hexen vor allem in den „Raunächten“ (auch „Rauchnächte“ oder „Zwölfte“ genannt) zwischen Dezember und Januar Gewalt über sie – weshalb man sie in dieser Zeit auch vor die Haustüre setzen sollte. Kein Wunder, werden im Winter die Nächte nicht nur länger, auch die Dämonen, Geister und Hexen treiben vor allem zu dieser Jahreszeit ihr Unwesen.

In der katholischen Dämonenlehre wiederum findet die Katze vor allem als Begleittier der Hexe Erwähnung. Hier wird sie gleichfalls sehr oft mit dem Sabbat in Verbindung gebracht. Schliesslich ritten oder flogen die Hexen dem alten Glauben nach auch auf ihnen zu diesen nächtlichen Versammlungen.

Gleich dem Katerteufel kann die Hexe einer Katze aber nicht nur ihren Willen aufzwingen, sie kann sich auch selbst in eine solche verwandeln. Derartige Katzenhexen besassen der Anschauung nach ebenfalls ein schwarzes oder graues Fell, einen längeren Schwanz und manchmal auch die Fähigkeit zu sprechen.

Zur Zeit der Hexenverfolgung in Europa (ca. 15.-18. Jahrhundert) führte die Katzennähe oft zu einem Verdachtsmoment. War jemand gleich von mehreren Katzen umgeben, war für viele der Verdacht auf Hexerei bestätigt. Verletzte jemand wiederum eine Katze, so verletzte er dem Glauben nach nun auch die sich in sie verwandelte Hexe. Daher hiess es auch: verwundet man eine Katzenhexe in der Nacht, wird sich die Blessur am nächsten Morgen bei einer Person des näheren Umfelds zeigen und sie als Hexe überführen.

 

Alte Hexensage aus Uri: 

„In einer Gegend wurden immer die neugeborenen Kinder getötet, und wenn man sie untersuchte, fand man auf ihren Köpflein eine kleine Wunde wie von einer Gufen (Stecknadel). Ein Ehemann fasste nach und nach Verdacht auf ein gewisses Weibervolk und blieb, als ihn seine Frau mit einem Kind beschenkt hatte, eines Abends auf […]. Gegen Mitternacht kam eine Katze herein mit einer Gufen im Maul. […]. Jetzt wollte sie auf das Kind los. Da packte er sie und warf sie auf die Diele hinaus, so heftig, dass er ihr ein Bein abschlug. Dann ging er ins Bett. Am Morgen lag jenes Weibervolk halbtot auf der Stubendiele; es fehlte ihm ein Arm, und es machte dem Mann bittere Vorwürfe. Aber dieser entgegnete kaltblütig, er habe eine Katze geschlagen und nicht ein Weib.“

 

Vor allem die schwarze Katze findet als Schreckmotiv immer wieder Erwähnung, sei es in der katholischen Lehre des Mittelalters oder in den volkstümlichen Märchen, Grusel- und Hexengeschichten. Ihre Deutung ist so doppeldeutig wie die Angst selbst. Schliesslich warnt sie nicht nur vor bevorstehendem Schmerz, Schaden und Tod, sie steht auch symbolisch für die Furcht vor ihnen. Eine schaurig-schöne Kurzgeschichte über eine schwarze Katze hat auch Edgar Allen Poe (1809-1849) verfasst. Er gilt als einer der Väter der Schauerliteratur. Sie ist die Mutter aller modernen Horrorgeschichten und lehrt den Menschen auch heute noch das Gruseln.

 

PS: Wer Edgar Allen Poe’s wunderbare Gruselgeschichte „Die schwarze Katze“ lesen möchte, kann das hier!)

 

Literatur: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer, 3. Auflage, Bd. 3 und 4, Berlin/New York 2000; Bandini, Ditte und Giovanni: Kleines Lexikon des Aberglaubens, München 1998; Harmening, Dieter: Wörterbuch des Aberglaubens, 2. Auflage, Stuttgart 2009; Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache, hg. v. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion, Bd.7, Aufl. 3, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001; Hiller, Helmut: Lexikon des Aberglaubens, München 1986; Hoffmann-Krayer, Eduard (Hg.): Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Bd. IV. Berlin und Leipzig 1931/1932; Ders.: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. VI. Berlin und Leipzig 1934/1935; Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Pauly’s Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter, hg. v. Konrat Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 1, München 1975; Müller, Josef: Sagen aus Uri, in: Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, hg. v. Hanns Bächtold-Stäubli, Bd. 1, Basel 1926; Schweizer, Paul: Der Hexenprozeß und seine Anwendung in Zürich, Zürich 1902; Soldan, Wilhelm Gottlieb und Heppe, Heinrich: Geschichte der Hexenprozesse, hg. v. Max Bauer, Bd. I. und II. München 1912.

Bildernachweis: Titelbild, Abb. 2, 4) Pixabay.com; Abb. 1) Commons.wikimedia.org (Aoineko); Abb. 3) Britishmuseum.org; Abb. 5) Libguides.ucc.ie; Abb. 6) Soldan, Wilhelm Gottlieb und Heppe, Heinrich: Geschichte der Hexenprozesse, hg. v. Max Bauer, Bd. II. München 1912.

By |2019-09-12T09:43:15+00:00November 11th, 2018|AnGSt|0 Comments